Spanische Entdeckungen
Aus meinem kulinarischen Notizbuch
Meine Beschäftigung mit Spanien beschert mir immer wieder Begegnungen mit kulinarischen Produkten, die mir so originell und interessant erscheinen, dass ich sie hier kurz vorstellen möchte. Kommerzielle Ziele verfolge ich damit nicht. Ich gebe aber gern an, wo die jeweiligen Erzeugnisse erworben werden können.
   
Ein vergnüglicher Abend mit einem schillernden Charakter
Ein Wein kann sich nicht dagegen wehren, wenn er von gewerblichen Beurteilern mit Superlativen überhäuft wird. Er muss es sich gefallen lassen, als Granate, non plus ultra, geniales Wunderwerk oder Kraftprotz angesprochen zu werden. Was ich las, ließ mich grübeln: seidige Tannine, hitzige Leidenschaft, künstlerische Verspieltheit, schwarzes Rot mit violettem Reflex, süße Noten von schwarzer Kirsche. Hochachtungsvoll ließ ich den Inhalt der Flasche ins Dekantiergefäß strömen.
Der Wein wurde mir geschenkt, entsprechend gutwillig schmecke ich hin. Mir ist bekannt: Er stammt aus den Montes de Toledo; hergestellt nach ehrgeizigsten Methoden von Bodegas Pago de Vallegarcía; klassischer Bordeaux-blend mit Merlot, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Cabernet Franc; Jahrgang 2005; 21 Monate Barrique; 15 Volumenprozent Alkohol; Hipperia nennt er sich.
Ich schmecke seine Wucht, seine Rundungen, seine Konzentration. Die Süße kommt mir leicht übertrieben vor. Mir dämmert: Der Wein hält sich zurück; er geizt mit dem, was er aufbieten kann. Ich beschließe: Wir beide ziehen uns zurück. Nach einer Stunde probiere ich erneut. Dieses Mal: Die Süße hat sich gemäßigt, aus dem Hintergrund schieben sich Nuancen von Holz, Tabak, Cassis nach vorn. Ich bin mir sicher, das ist nicht alles. Zwei Stunden später: Jetzt kommt er noch pompöser daher, bleibt aber ernsthaft; Miniaturen von Pfeffer, Holunderbeeren, dunklen herben Kirschen. Beim nächsten und übernächsten Schluck schickt er abermals Tabak und Cassis vor, rundet ab mit einem Hauch Bitterschokolade. Oder ist es purer Kakao?
Weit nach Mitternacht, Hipperia geht zu Neige, der letzte Schluck: Jetzt packt er richtig aus, Veilchen, balsamische Aromen, wie tiefgründiger Pflaumenkompott in die Länge gezogen; überhaupt, diese Länge. Wie schafft es ein Wein, einen Geschmack so lange andauern zu lassen? Und wie bekommt er es hin, so schillernd mehrdeutig zu sein?
Es ist ärgerlich, wenn man diesen Fragen auf den Grund gehen möchte, aber im Dekantiergefäß nur noch Leere herrscht. Wahrscheinlich war es ein Fehler, mir nur eine Flasche Hipperia zu schenken.
Infos und Bezugsquellen: Agentur Barbara Wehowsky, Gartenstr. 42, 40479 Düsseldorf, Tel. 0211/4983084, info@barbara-wehowsky.de, www.barbara-wehowsky.de
 
Zwei Zamoranos an einen Tisch gebracht.
Winzerfamilie RamosRotweine aus dem nordwestspanischen Anbaugebiet Toro habe ich stets als wuchtig und kompakt erlebt. Üblicherweise sind sie so gehaltvoll, dass es ein Frevel wäre, sie als süffige Essensbegleiter aufzutischen. Leichtigkeit ist ihre Stärke nicht, sie sind auch keine Blender. Es geht ihnen um Substanz, Tiefe und Gründlichkeit, manchmal gar um ein Quäntchen Melancholie. Fast möchte man meinen, sie sind den ländlichen Tugenden der Gegend, aus der sie stammen (der kastilischen Provinz Zamora), verpflichtet.
Als einen der würdigsten Repräsentanten dieser Tugenden habe ich den Tardencuba Autor Inspiración 2006 der Bodega Tardencuba erlebt. Aus sehr alten Reben (35 bis um die 100 Jahre) der Sorte Tinta de Toro keltern die beiden Winzer Ramón und José Ramos einen Wein, der sich durch hohen Extrakt und enorme Fruchtdichte auszeichnet. Die Schritte auf dem Weg dorthin: Lese des Traubenguts per Hand während der kühlen Nachtstunden. Fermentierung in 500 Liter großen Eichenfässern, danach malolaktische Gärung in kleineren Fässern, 12 Monate Lagerung. In den ersten Monaten wird der Wein mehrmals per Hand mit den Tresterrückständen vermengt, um die Aromadichte noch mehr zu steigern. Unfiltriert wird der Wein abgefüllt.
Der drei Stunden dekantierte Rotwein erweist sich von Anbeginn als breitschultrig, muskulös und rätselhaft. Nuancen von Waldbeeren, Röstnoten, pralle Würze, rauchige Zwischentöne, dann wieder die hochkonzentrierte Frucht. Ein Monument von Wein. Mit jedem Schluck erlebt man, dass in ihm aromatische Kräfte schlummern, denen man nicht sogleich auf die Spur kommt. Man schmeckt ihm förmlich hinterher, weil er mit zunehmender Belüftung ungeahnte Eigenheiten preisgibt. Was könnte man dazu essen?
Ich habe mir einen gereiften Zamorano-Schafskäse besorgt und die beiden Repräsentanten der Provinz Zamora an einen Tisch gebracht. Eine Scheibe Zamorano, dazu ein Schluck Rotwein. Abermals das eingespielte Duett. Pause. Schließlich noch einmal. Die Würze des Käses ermuntert den Rotwein – und umgekehrt. Ich erlebe, wie sich die beiden nicht nur gut vertragen, sondern geradezu hochschaukeln. Der eine möchte dem anderen beweisen, dass er sein gesamtes Aromenspektrum aufbietet. Mir soll es recht sein.
Der Wein kann bestellt werden bei: www.entrevinos.de
Bornwiesenweg 75, 60322 Frankfurt, Tel. 069/59797622.
   
Kernöl aus Burgos. Ein seltener Wohlgeschmack.
Sonnenblumenöl hat niemals einen angenehm charakteristischen Geschmack. Bisher dachte ich so. Dass den unter Hitzeeinwirkung raffinierten Ölen jeder Geschmack ausgetrieben wird, ist mir klar. Doch die von mir verkosteten kaltgepressten Varianten aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Ungarn schmeckten auch nicht um Klassen selbstbewusster. Bei ihnen war nur ganz in der Ferne ein eigentümlicher Wohlgeschmack zu erkennen. Es fehlte an Substanz, an aromatischem Charme, an Sinnlichkeit. Alle diese Öle schienen um Neutralität bemüht. Warum diese Zurückhaltung? Es schmeckte mir nicht.
Als ich José Félix Becerril auf einem Seminar über Bio-Produkte in Valladolid begegnete und er mir von dem Sonnenblumenöl erzählte, dass er in der nordspanischen Provinz Burgos herstellt, hörte ich höflich hin, hielt aber für unwahrscheinlich, dass dieses Produkt meinem trüben Sonnenblumenölhorizont nennenswert Farbe verleihen könnte.
Drei Wochen später erhielt ich ein Päckchen. Darin fand sich eine Flasche mit der Aufschrift „Aceite Virgen de Girasol. 1. Prensión en Frío de Cultivo Ecológico, 100% Zumo de Pipa“. Das Öl in der Flasche schimmerte glänzend strohgelb. Es vergingen Wochen, ehe ich eines Abends die Flasche öffnete, ein gutes Quantum Öl in ein bauchiges Glas schenkte und mir hochaufmerksam einen Schluck genehmigte.
Der erste Eindruck: weiche, überraschend voluminöse Konsistenz, anschwellend deutlicher Geschmack nach Sonnenblumenkernen, keinerlei störende Bitternuancen, keine Spur von Tranigkeit, wohlgerundet, nicht kräftig, aber ohne jeden Zweifel gehaltvoll sonnenblumig. Nach dem dritten Schluck kamen mir Phantasien, womit man das Öl kombinieren könnte. Keinesfalls mit exzentrischen Aromen, völlig klar. Aber für puristische Geschmackserlebnisse erschien es mir talentiert.
Inzwischen weiß ich: Mit gedünstetem Fenchel, auch mit schonend gegarten Möhren verträgt es sich bestens. Reis, Pellkartoffeln, Quark, Kartoffelpüree bereichert es ungemein. Auch auf hauchfein geschnittenen, leicht süßlichen Zwiebeln zeigt es sein aromatisches Spiel. Woran mag es liegen, dass José Félix Öl so überzeugend sonnenblumig schmeckt. Tricks? „Keine Tricks“, sagt er, „viel Sonne, ein optimal ausgereiftes Erntegut und eine extrem schonende Pressung.“
Auf nahezu 30 Hektar baut die Familie Becerril Sonnenblumen an. Strenge Bio-Richtlinien, sorgfältige Bodenpflege, kein Einsatz von Dünger, Pestiziden, Herbiziden, Konservierungsmitteln. Die Sonnenblumenkerne müssen ihre äußerste Reife erreicht haben, vor allem vollkommen trocken sein, erst danach werden sie geerntet, gereinigt, sachgemäß gelagert, schließlich mit mechanischen Mitteln gepresst. Keine Lösungsmittel, kein Anwärmen der Sonnenblumenkerne. Während des Pressvorgangs entstehen Temperaturen von maximal 40 Grad Celsius. Dadurch bleiben das wertvolle Vitamin E und der nahezu 90 Prozent hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren erhalten.
Vier Kilo Kerne müssen aufgewendet werden, um durch die erste Pressung ein Liter Öl zu gewinnen. Gepresst wird nur einmal. Auf eine zweite Pressung wird absichtlich verzichtet. Die gesamte Jahresproduktion liegt bei knapp 2000 Liter. Seit fünf Jahren wirtschaftet die Familie Becerril nach biodynamischen Kriterien. Auch auf die Aussaat der Samen bei der günstigsten Mondstellung wird geachtet. „Es hat sich gezeigt, dass wir damit in unserer Gegend das höchste Qualitätsniveau erreichen“, sagt José Félix. Mich überzeugt sein Produkt. Endlich Farbe am Sonnenblumenölhorizont.Kontakt: José Félix Becerril, Padilla de Arriba, Burgos, Tel. 0034/947372073, mobil 0034/625233967, ecopadillabb@terra.es
 
Aromatische Grüße aus Jerez
Es hat wie üblich eine Weile gedauert bis sich die Holzkohle entzündet und einen soliden Glutfond gebildet hat. Endlich Holzkohlenglut. Die Hitze stimmt, auch die Konsistenz der tiefrot durchglühten Kohlenstückchen. Das Grillgut ist vorbereitet, bald kann es auf den Rost gelegt und von der Strahlungshitze gegart werden. Aber es fehlt noch ein letztes Raffinement, um der Glut eine originelle aromatische Nuance beizugeben.
In dieser Situation schwört mancher Grill-Aficionado auf die Beigabe von klein gehackten Fenchelstängeln. Andere trocknen abgeschnittene Triebe des Rebstocks, zerkleinern sie und werfen sie in die Glut. Grundsätzlich kämen auch andere duftende Hölzer in Betracht, Wacholder, Zeder, Eiche, Kastanie beispielsweise. Und wenn das Kastanienholz auch noch mit Amontillado-Sherry getränkt wäre?
Diese Frage hat das andalusische Unternehmen maxMERIDIA beantwortet und eine kleine Kollektion von handlich portionierten Holzstückchen (340 g) herausgebracht, die dem Grillvorgang eine spanische Duftnote verleihen. Am meisten betören mich die „Virutas de Barricas de Vino – Castaño“. Die Duftbrettchen stammen von teilweise mehr als 100 Jahre alten Fässern aus französischem oder amerikanischem Kastanienholz, in denen Amontillado-Sherry reifte. Entsprechend verflüchtigen sich aus diesen erlesenen Grillglutbeigaben alle wonnigen Düfte, mit denen auch ein klassischer, lange gelagerter Amontillado auftrumpfen kann. Hinzu gesellen sich Nuancen einer rauchigen Würze. Dazu duftet es nach Haselnüssen und uralten Kellergewölben, in denen unter Spinnweben Wein vor sich hin reift.
Es macht Freude, an diesen dunklen duftigen Virutas zu schnuppern. Für einen Moment denkt man: Ist es nicht zu schade, diese edlen Holzpersönlichkeiten aus den Kellern von Jerez in die Grillglut zu werfen? Aber müssen es alle sein? Man könnte doch zwei oder drei für sich behalten, nur so, um immer wieder daran zu schnuppern und sich zu erbauen. Wochen später duften sie immer noch, würzig und betörend. Ihre Botschaft, so wie ich sie verstehe: Ich sollte mir mal wieder eine gute Flasche Amontillado genehmigen.
www.maxmeridia.com
 
Süß verführt vom Marqués de Badajoz.
Trockene Tintos aus der Rebsorte Cabernet Sauvignon habe ich schon etliche genossen. Aber ein Süßwein aus Cabernet Sauvignon? Gibt es so etwas überhaupt? Mir war das nicht geläufig bis zu dem Moment als ich die Gewölbekeller der Bodegas Medina in der westspanischen Region Extremadura betrat und mir dort eine Audienz beim Marqués de Badajoz ermöglicht wurde. So nennt sich der tiefrote Süßwein, an dem ich anfänglich mehr zurückhaltend als hingebungsbereit, eher aus Gründen der Fortbildung nippte.
Extrem an der Sonne gereifte Cabernet-Sauvignon-Trauben von 30 Jahre alten Rebstöcken werden im Oktober geerntet und für eine kurze Weile vergoren. Dann wird die Gärung durch Abkühlung auf ca. 10 Grad Celsius (also nicht durch den Zusatz von Alkohol) gestoppt. Dadurch behält der Rotwein seine natürliche Süße. Zehn weitere Tage bleibt der mit 14 Volumenprozent Alkohol ausgestattete Süßwein mit den ausgepressten Traubenschalen in Kontakt, um ein Höchstmaß an Aromen aufzunehmen. Schließlich reift der Vino Tinto Dulce sechs bis neun Monate lang in neuen Eichenfässern ehe er auf die Flasche gefüllt wird.Damals in den Gewölbekellern der Bodegas Medina notierte ich als Resultat meiner Weiterbildung: „Angenehm wonnige, von dezenten Säuren umspielte Süße, nicht schwer, nicht breit, keinesfalls unangenehm klebrig; im Geschmack wie ein konzentrierter Most; freundlich-fruchtige Aromenfülle mit Nuancen von Konfitüre, sanften Tanninen, Holunder- und Johannisbeeren; verführerisch.“Ich hätte „gefährlich verführerisch“ schreiben sollen. Konfrontiert man den Marqués de Badajoz mit – es ist erprobt - Käsekuchen oder altem Gouda oder Ziegenkäse oder Zwiebelkuchen oder Weißlacker-Käse oder Appenzeller-Käse oder mit der galicischen Mandeltorte Tarta de Santiago schmeichelt er sich Schluck für Schluck heran und betört Laune und Gaumen. Sein Süße-Säure-Spiel beschwert und belästigt nicht, es ermuntert, es erkühnt zu weiterem Schluck für Schluck. Dazu gesellt sich das Gefühl: Es ist eine erlesene, dem Charakter nach aristokratische Substanz, die mich durchfließt.
Bodegas Antonio Medina e Hijos, S.A., 06310 Puebla de Sancho Pérez, Provinz Badajoz, Extremadura. info@bodegasmedina.net; www.bodegasmedina.net
 
Schlank, sportlich, von dezenter Würze.
Ein gelungener Rotwein aus der Sierra del Norte de Sevilla.

Gut gemeinte, aber hausbacken, oxidativ und eintönig gemachte Tintos aus Andalusien habe ich schon zu Genüge verkostet. Als ich von dem Projekt im gebirgigen Norden der Provinz Sevilla hörte, mutmaßte ich: abermals ein gut gemeinter Rotwein?
Die Äußerlichkeiten: acht Hektar Rebflächen auf 600 Meter Höhe - umgeben von Korkeichen und Kastanienbäumen. Ausgeprägt kontinentales Mikroklima mit atlantischen Facetten. Mehr als 45 Jahre alte Rebstöcke (Tempranillo, Merlot, Cabernet Sauvignon, Garnacha), nur 40 Hektoliter Ertrag pro Hektar. Der Jahrgang 2003 der Bodegas de Fuente Reina reifte neun Monate in neuen Fässern aus französischer Eiche. Oscar Zapke heißt die treibende Kraft hinter dem Projekt. Aufgewachsen in Deutschland, dann lange als Unternehmer im Baskenland aktiv, seit 1998 hat er viel Geld und Begeisterung in diese Bodega gesteckt. Moderne Ausrüstung, professionelle önologische Beratung. Aber all das garantiert noch keinen gut gemachten Rotwein.
Die Geschmacksprobe: weich, schlank und geradlinig im Zuschnitt, keineswegs pompös oder vom dumpfen Alkohol getrieben. Einer der ersten Gedanken kreist um den Eindruck, dass diesem Tinto keine Schwere des Südens anzumerken ist; er kommt - mit Verlaub - in sportlicher Muskulatur daher, athletisch, mit herbem Elan, wie jemand, der diszipliniert darauf bedacht ist, kein Gramm zu viel am Leib zu haben. Er versucht erst gar nicht, mit Wucht, Wonne oder Kraft zu punkten. Angenehm dezente Aromatik mit subtilen Nuancen: reife dunkle Kirsche, winzige Anklänge an Brombeere, Zimt, Gewürznelke, Lorbeer; dazu eine vitale, nicht aufdringliche Säure; sparsam bemessene vanillige Holznoten; eine ausgewogene Darbietung.
Mir fallen etliche opulente, massiv gewürzte Hauptspeisen ein, zu denen der Tinto Fuente Reina 2003 keinesfalls passt. Seine schlanke und dezente Statur harmoniert am wirksamsten in Partnerschaft mit Delikatessen gleicher Gesinnung, vornehmlich mit Vorspeisen: eine puristisch zubereitete Geflügelleber, eine dünne Scheibe luftgetrockneter Schinken, Bündner Fleisch, Rinderzunge oder Pilzsülze; ein sanftes Ragout fin, ein krosses Toastbrot mit Griebenschmalz oder Tatar. Dieser Tinto verleitet dazu, den dezenten Aromen nachzuschmecken und sich abermals Schluck um Schluck zu vergegenwärtigen: Es geht nicht um geschmackliches Getöse und angeberische Breitschulterigkeit, es geht um Finessen - wie man das bei einem gut gemachten Rotwein erwarten darf.
Bezugsquelle: Linke Weinhandelsgesellschaft GmbH, Dorfstr. 19, 85662 Hohenbrunn, Tel. 08102/895868,
info@linke-weine.de, www.weinmacher-mit-profil.de.
 
Mein allerliebster Weltklasse-Gazpacho
Üblicherweise wird Gazpacho als kalte Gemüsesuppe übersetzt. Aber man kann ihn auch bedächtig und genüsslich trinken - als Muntermacher nach einem stressigen Tag, als Appetitanreger vor einem gepflegten Essen, als Gutelaunespender zwischendurch, als Aufheller an düsteren Tagen. Einen wirklich sehr guten Gazpacho genieße ich wie Wein in einem großen bauchigen Glas, Schluck für Schluck, wie gesagt bedächtig und genüsslich, leicht gekühlt.
Manche Gazpachos enthalten zu viel säuerliche Gurke, zu viel derben Knoblauch oder zu viel Olivenöl. Wenn die Güte und das fragile Gleichgewicht der Zutaten nicht stimmig sind, gerät der Gazpacho vulgär; da helfen auch große bauchige Gläser nichts.
Ich kenne einen Gazpacho, der alles in den Schatten stellt, was ich auf diesem Sektor bislang verzehrt habe. Die extrem vollreifen Tomaten kommen von einem Kleinbauern aus dem Hinterland von Murcia. Die niemals zu säuerlichen Gurken aus der Sierra de Aracena im Bergland von Huelva. Das samtige, nach Feigen und Pfirsichen duftende Olivenöl der seltenen Sorte Nevadillo Blanco aus Córdoba. Die grünen Paprikaschoten mit erwünschtem Edelbitteraroma aus der Provinz Málaga. Der niemals spitze, stets harmonische Tempranillo-Weinessig aus La Rioja. Der sanfte Knoblauch, der nur in homöopathischer Dosis dem Gazpacho-Gesamtkunstwerk zugeführt wird, aus dem Bergland von Córdoba; das feine Meersalz aus der Gegend von Tavira an der Algarve.
Aus diesen extrem erlesenen Zutaten (allesamt Bio-Produkte) komponiert die auf andalusische Bio-Delikatessen spezialisierte Firma Sierra Rica aus Aracena in der Provinz Huelva einen Gazpacho. Das Geschmackserlebnis erinnert in seiner perfekten Balance und im Nuancenspiel der Aromen an Weltklasse-Weißweine. Hier also der Weltklasse-Gazpacho: sonnengereifte Tomate wie aus Kindheitstagen; eine dezente, frisch aufspielende Gurke im Hintergrund; der herbe, männliche Gout der grünen Paprikaschote. Dies alles unterlegt mit dem feminin samtigen Spiel des Olivenöls und der nervösen, anregenden, stets sich maßvoll zurückhaltenden Säure des Weinessigs. Salz und Knoblauch winken in der gebotenen Bescheidenheit aus der Ferne.
Danach ein langes erquickendes Nachspiel der Aromen. Gute Weltklasse-Gazpacho-Laune breitet sich aus.
Sierra Rica, 21200 Aracena, Huelva, Spanien, Tel. 0034/959127327, Fax 0034/959127328, E-Mail janet.m@sierrarica.com, Internet www.sierrarica.com
Bezugsquellen in Deutschland: Viani Internationale Spezialitäten, 37079 Göttingen, Robert-Bosch-Breite 17, Tel. 0551/5055110, Fax 0551/5055155, E-Mail info@viani.de, Internet www.viani.de
 
Diskrete Sanftheit und sanfte Diskretion.
Ein Chardonnay aus den spanischen Pyrenäen.

Zu wuchtige, zu parfümierte, zu blumige, zu aufdringliche Chardonnay-Weißweine stoßen mich zurück. Ganz anders der Chardonnay 2004 der kleinen sympathischen Bodega Valonga (www.valonga.com) aus der Pyrenäen-Ortschaft Binéfar in der aragonesischen Provinz Huesca. Keine Spur von angeberischen Aromen. Der Wein (er sollte unbedingt optimal gekühlt sein) gibt sich dezent und kommt mit fein gewirkten Nuancen daher: weiche mandelige Cremigkeit, winzige Zitrus- und Vanilleelemente; keine störenden Holztöne. Mir kommt es so vor, dass er am besten als diskreter, im Hintergrund waltender Begleiter zu gewissen Speisen seine Bestimmung auslebt. Er fördert und bereichert geradezu den Genuss von Avocado-Delikatessen, gratinierten Jakobsmuscheln, Hummer, Spargel und sanft zubereiteter Forelle. Er erscheint wie ausdrücklich für die Begleitung von subtil-delikaten Vorspeisen kreiert. In der Gesellschaft starkwürziger und exaltierter Speisen kann er sich keine Geltung verschaffen. Er bleibt ein poetischer Purist der leisen Töne, der übrigens auch ein Fisch-Carpaggio vollwürdig zu akzentuieren versteht.
Bezugsquellenverzeichnis: Bodegas Rioja (Andreas Krämer), Tel. 0234/9789567, www.bodegas-rioja.de
 
Cerro de la Retama 2002 - ein andalusischer Rotwein mit Eigensinn und Charakter
Südöstlich von Granada, zwischen den Gipfeln der Sierra Nevada und der Mittelmeerküste, erstreckt sich das Hügelland der Alpujarras. Hier, in Höhenlagen um 1.300 Meter, liegt nahe der Ortschaft Lobras das kleine Weingut (acht Hektar Rebfläche) des Unternehmens Bodega Los Barrancos, S.L.. Angebaut werden vornehmlich die Rebsorten Tempranillo und Cabernet Sauvignon. Die daraus gekelterten Rotweine der Marken Cerro de la Retama und Corral de Castro bestechen durch Aromafülle, angenehm weiche Tannine und einen sehr individuellen, fruchtbetonten Charakter. Fachleute und Journalisten zählen diese Rotweine zu den interessantesten im gesamten spanischen Süden. Importeur in Deutschland: La Vineria GmbH, Vilbeler Landstr. 7, Geb. 08, Tel. 069/425706, Fax 069/425309, E-Mail: info@lavineria.de
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Eine seltene Köstlichkeit: Olivenkonfitüre
Olivenpasten stellen mehrere andalusische Firmen her, aber Olivenkonfitüre? Das seltene Produkt wird aus entkernten Oliven, Zitrone und Zucker hergestellt, schmeckt angenehm süß mit einem deutlichen Aroma vollreifer Oliven und wird in kleinen Gläsern zu jeweils 250 g geliefert. Hersteller ist das Unternehmen Envasados Lola S.C.A., eine im Jahr 1996 gegründete Genossenschaft, der ausschließlich Frauen angehören. Die in der Provinz Córdoba ansässige Genossenschaft verarbeitet Früchte, Gemüse und andere Produkte der Umgebung und vertreibt sie als Konserven. Die Produkte werden stets nach handwerklichen Verfahren zubereitet und enthalten keine künstlichen Zusätze. Auch bei der Olivenkonfitüre ist das so. Sie eignet sich zur Verfeinerung von Fleischgerichten, Canapés oder Tapas und harmoniert auch sehr gut mit Frischkäse und getoastetem Brot.
Kontakt: Bodega Andaluza, Himmelfahrtsgasse 21, 09599 Freiberg, Tel. 03731/30820 oder Frau Heike Mai (Bodega Andaluza), Tel. 0034/606185518 (mobil), Fax 0034/956456315,
Internet: www.Bodega-Andaluza.com
 
 

Harald Klöcker, Journalistenbüro paroli,  Sachsenring 2-4, 50677 Köln, Tel. 0221/325684, info@hakloecker.de